Hier findet ihr einige allgemeine Informationen zur Maultrommel und deren Spiel.
1. Wo werden Maultrommeln gespielt?
2. Wo liegt der Ursprung der Maultrommel?
3. Virtuose Spieltechnik für Maultrommel von Robert Vandré (Auszug)
4. Tipps zur Pflege von Maultrommeln
5. Zahnschutz
1. Wo werden Maultrommeln gespielt?
Vor allem in Asien und Europa sind Maultrommeln seit Menschengedenken verbreitet.
Auch in Nordamerika spielt die Maultrommel eine wichtige Rolle.
In Afrika und Südamerika gibt es Mundbögen, die sehr ähnlich einer Maultrommel funktionieren und klingen.
2. Wo liegt der Ursprung der Maultrommel?
Dies ist eine schwierige Frage, da die wahrscheinlich älteren Modelle aus Bambus oder Holz
nicht mehr erhalten sind.
Es ist aber anzunehmen, dass die Maultrommel ihren Ursprung in Südostasien oder Ozeanien hat,
wo bis heute die Urform aus Bambus verwendet wird.
3. Virtuose Spieltechnik für Maultrommel vonRobert Vandré (Auszug)
A. Einleitung
B. Bügel- und Rahmenmaultrommeln
C. Spieltechnik
D. Tonerzeugung, Töne und Tonumfang
A. Einleitung
Dies ist der Versuch, eine Spielanleitung oder besser Anregungen für virtuoses Maultrommelspiel zu geben.
Maultrommel spielen ist einfach. Man hält sich das Instrument an den Mund und los gehts. Durch Probieren lassen sich
viele Effekte und Spielmöglichkeiten entdecken. Ich selbst bin begeisterter Maultrommel Spieler und habe mir das
Spielen - wie vermutlich die meisten Spieler - selbst beigebracht. Anleitungen zum Spielen gibt es wenige, und meistens
verraten sie nicht mehr als wie man das Instrument halten und zupfen soll. Für den Anfang ist mehr auch gar nicht nötig.
Um allerdings über spontanes, freies "going going" hinauszukommen, ist es nötig das Instrument in seiner Funktionsweise
kennen und beherrschen zu lernen. Dazu gibt diese Seite Anregungen, indem sie eine Reihe verschiedener
Spielmöglichkeiten mit Text und Bildern beschreibt und mit Tonbeispielen hörbar macht.
Die Anleitung im Hauptteil beschreibt Spieltechniken: Wie können verschiedene Töne und Klangfarben hervorgerufen werden,
und auf welche Arten können rhythmische Figuren gestaltet werden (Zupfen, Artikulation)?
Den Spielmöglichkeiten vorangestellt ist ein kurzer Artikel über die zwei wesentlichen Maultrommeltypen, die Bügel-
und Rahmenmaultrommel, und ihr unterschiedliches Funktionieren.
Die Maultrommel ist gleichermaßen ein Rhythmus- und Melodieinstrument. Nach der Spieltechnik folgt ein Artikel über die
Tonerzeugung und die möglichen Tonhöhen: Als Naturton-Instrument hat jede Maultrommel sozusagen ganz bestimmte Töne
eingebaut. Welche Tonhöhen können verschiedene Maultrommeln erzeugen? Dieses Thema ist theoretisch und trocken, aber
es lohnt sich, die Funktionsweise des Instrumentes zu durchschauen. Die theoretisch spielbaren Töne lassen sich in
der Spielpraxis auf der Maultrommel nachvollziehen, und wer andere Töne spielen will, hat die Physik des Instrumentes gegen sich.
Abbildungen und Tonbeispiele sind mit einfacher Technik hergestellt. Außerdem habe ich einen Kompromiss aus Qualität
und Datenmenge versucht, der für brauchbare Illustrationen ausreichen soll, nicht für mehr.
B. Bügel- und Rahmenmaultrommeln
Beide Maultrommeln in Abbildung 1 werden links gehalten und rechts gezupft, die Bügelmaultrommel am Ende der Zunge,
die Rahmenmaultrommel am Rahmenende. Dadurch vibriert die Metallzunge und erzeugt den Grundton der Maultrommel, der
immer mitschwingt. Die Mundhöhle als Resonanzraum verstärkt verschiedene Obertöne dieses Grundtons, wodurch die Tonhöhen
und Klangfarben entstehen (siehe unten Naturtoninstrumente).
Abbildung 1
Bügelmaultrommeln müssen beim Spielen an die Zähne gehalten werden, Rahmenmaultrommeln nicht. Wie kommt das? Die Antwort
verrät bereits eine Menge über die Funktionsweise der Maultrommeln überhaupt:
Bei Bügelmaultrommeln ist die bewegliche Metallzunge der Maultrommel an einem starren Bügel befestigt, dessen Enden auf beiden
Seiten der Zunge bis auf einen feinen Spalt anliegen (Abbildung 1 links, klassische Form, hier aus der Manufaktur
Szilagyi, Ungarn). Zum Spielen wird der Bügel an der Zungenbasis festgehalten und die Zunge gezupft (Abbildung 2, Abbildung 4).
Rahmenmaultrommeln sind sehr vielgestaltig. Sie sind aus einem Stück gefertigt. Die Zunge ist in eine Platte aus Holz
oder Metall hineingeschnitten und wird meist vom Rahmen umschlossen (Abbildung 1 rechts, hier eine vietnamesiche Dan Moi).
Der Spieler hält den Rahmen auf der Seite der Zungenspitze und zupft nicht die Zunge selbst, sondern den Rahmen (Abbildung 2).
Bei beiden Maultrommeltypen ist nur ein feiner Spalt zwischen Metallzunge und Bügel/Rahmen. Die Lippen liegen der
Maultrommel an und stellen die Verbindung zur Mundhöhle her, damit sie als Resonanzraum wirkt.
Abbildung 2
Die schwingende Zunge ist über eine Feder mit dem Bügel oder Rahmen verbunden (Abbildung 3, grüner Bereich). Diese Feder
ist sozusagen das Scharnier zwischen Zunge und Bügel/Rahmen. Der Rahmen vibriert als Gegenbewegung zur Zunge - das kommt
von der Physik: Actio gleich Reactio, jede Kraft hat ihre Gegenkraft (Abbildung 3, roter Bereich).
Abbildung 3
Die Bügelmaultrommel wird nicht nur an die Lippen, sondern auch an die Zähne gehalten, damit die Vibration des Bügels
durch ein Gewicht aufgenommen wird. Sonst vibriert der Bügel gerade da, wo die weichen Lippen sind. Sie würden diese
Vibration dämpfen und damit auch die Schwingung der Metallzunge. Ohne Zähne klingt der Ton der Bügelmaultrommel nach
dem Zupfen nur ganz kurz und schwingt nicht nach.
Die jeweils rechts abgebildete Rahmenmaultrommel hat auch ohne Zähne ein effektives Gegengewicht: Hier hält der Spieler
den Rahmen auf der Seite, auf der auch die Vibration des Rahmens stark ist, und die Hand wirkt als Gegengewicht zur Metallzunge.
Die Lippen sind nicht da, wo der Rahmen seine Gegenschwingung ausführt, und dämpfen den Klang auch ohne Zähne nicht.
Die Bügelmaultrommel wird also nicht, wie oft behauptet, z.B. von Regina Plate, deshalb an die Zähne gehalten, damit
der Klang auf den Schädel als Resonanzraum übertragen wird. Für die Übertragung auf den Mundraum sorgen die Lippen,
die die Maultrommel da umschließen, wo die Metallzunge schwingt. Zähne und Schädel wirken nur als Gegengewicht. Das
zeigen die Rahmenmaultrommeln: Sie werden nur an die Lippen, nicht aber an die Zähne gehalten und klingen dennoch
genauso voll und kräftig.
C. Spieltechnik
Es gibt keine allein-gültige Technik zum Spielen von Maultrommeln. Alles was hier beschrieben wird sind Anregungen,
die beliebig abgewandelt und ausgebaut werden wollen. Die Abbildungen und Klangbeispiele zeigen Bügelmaultrommeln,
die Spieltechniken gelten aber für alle Maultrommeln.
Haltung
Die Maultrommel wird mit einer Hand so an die leicht geöffneten Lippen gehalten, dass die Metallzunge dazwischen
durchschwingen kann. Bügelmaultrommeln müssen auch an den geöffneten Schneidezähne anliegen (Abbildung 4, 5). Das
Ende der Metallzunge oder das Rahmenende wird mit den Fingern der anderen Hand gezupft und erzeugt den Grundton der
Maultrommel, der immer mitschwingt (Abbildung 2, 4). Die Mundhöhle als Resonanzraum verstärkt verschiedene Obertöne
dieses Grundtons, wodurch die Tonhöhen und Klangfarben entstehen. In Abbildung 5 sind die Resonanzräume blau
hervorgehoben, dazu aber unten mehr. Es gibt ungezählte Arten, die Maultrommel zu halten und zu zupfen.
Abbildung 4
Zupfen
Durch das rhytmische Zupfen spielen die Finger abgesetzte Töne, erzeugen also die Tonlängen. Das kann ein einzelner
ausgestreckter Finger tun, der von unten die Metallzunge vom Mund weg anreißt (Abbildung 5 und Abbildung 6 A,
durchgehender Pfeil). Er kann das gebogene Metallzungenende auch zum Mund hin zupfen (Abbildung 6 A, gestrichelter Pfeil).
Hin und her gezupft können schnelle Tonfolgen gespielt werden, wie im Klangbeispiel 1 (87 kb).
Abbildung 5
Repetition, Triple Fingers
Wenn die zupfende Hand mit der Handfläche dem Mund zugewandt ist (Abbildung 4), können Rinfinger, Mittelfinger und
Zeigefinger die Metallzunge abwechselnd in schneller Folge anreißen, ähnlich wie ein Flamencospieler eine Gitarrenseite
mit drei Fingern zupft (Abbildung 6 B). Der Effekt ist im Klangbeispiel 2 (268 kb) zu hören. Diese Technik braucht
viel Übung, bis die Anschläge gleichmäßig kommen und die Zunge nicht schief getroffen wird und an den Maultrommelrahmen
anschlägt. Damit die Hand ruhig bleibt und sich nur die Finger bewegen, kann der Daumen die Hand am
Wangenknochen abstützen (Abbildung 4).
Abbildung 6
Artikulation durch Atmung
Alles, was beim Maultrommelspielen über festhalten und zupfen hinausreicht, passiert im Mund und Rachen oder wird
wie der folgende Vorschlag durch das Zwerchfell geleistet. Gegeneinander abgesetzte, also artikulierte Töne
lassen sich auch durch schnelle (oder langsame) Atemstöße bewirken. Die ein- und ausströmende Luft verstärkt
hauptsächlich den Grundton. In Klangbeispiel 3 (104 kb) wird die Maultrommel mit ausgestrecktem Finger
regelmäßig gezupft. Der Atem setzt zwischen das Zupfen schnarrende Akzente.
Artikulation mit der Zunge
Tonfolgen mit der Zunge "auszusprechen" funktioniert wie die Artikulation bei der Flöte. Bei Flöten unterbricht
die Zunge den Luftstrom. Bei der Maultrommel braucht es keinen Luftstrom, die Zunge öffnet und schließt statt dessen
die Gaumenhöhle, also den Resonanzraum im Mund. Es funktioniert aber ähnlich wie beim Flötespielen. Ich schlage für
langsame Tonfolgen ein Öffnen und Schließen mit der Zungenspitze am vorderen Gaumen vor, wie wenn man Dü Dü Dü spricht.
Für schnelle Folgen hat sich die Zungenbewegung wie gesprochen Dü Dl Dü Dl Dü Dl bewährt, eine Art Schaukelbewegung
der vorderen Zunge am vorderen Gaumen. Flötenspieler artikulieren schnelle Läufe allerdings wie Dü Gü Dü Gü Düg.
In Klangbeispiel 4 (78 kb) ist wieder gleichmäßig gezupft und innerhalb dieses Grundrhytmus mit Dü Dü und Dü Dl Dü
artikuliert. Diese Technik ist einfach und kann sehr schnell gespielt werden, ist aber auf Aufnahmen selten zu
hören, also offenbar nicht sehr verbreitet.
Tonhöhen, Melodiespiel
Tonhöhen werden vor allem durch Bewegungen der Zunge verändert, die die Form und Größe des Hohlraums im Mund verändert.
Es sind Zungenbewegungen wie beim Sprechen der verschiedenen Vokale, tiefer werdend in der Reihe i - e - a - o - u.
Hier hilft keine Beschreibung - Ausprobieren ist alles.
Auf diese Weise kann man Melodien spielen, deren Töne aus der Obertonreihe zum Grundton der Metallzunge bestehen
(siehe unten Naturtoninstrumente).
Im oberen Teil des Tonumfangs von Maultrommeln liegen die Obertöne so dicht
beisammen, dass praktisch jede Melodie frei gespielt werden kann - unabhängig vom Grundton. Die Lücken in den spielbaren
Tönen liegen im unteren Bereich. Da der Grundton aber immer mitschwingt, klingt es am besten, wenn er auch zur Musik
passt. Eine C-Maultrommel passt besonders zu C-Tonarten (Dur ebenso wie Moll). Der stets mitschwingende Grundton
wirkt wie ein Bordunton bei Dudelsäcken und mittelalterlichen Saiteninstrumenten. Dies illustriert ein kleiner
Ausschnitt aus La Quarte Estampie Real (145 kb).
Die Töne können nicht wie etwa beim Klavier mechanisch abgerufen werden. Die Tonhöhen funktionieren genau wie
beim Pfeiffen: Sie werden frei im Mund geformt. Für das Spielen einer unbekannten Melodie nach Noten bedeutet dies:
Man muss die in Noten aufgeschriebene Melodie kennen oder innerlich hören wie beim Singen vom Blatt.
Halterung für Bügelmaultrommeln
Um die Schneidezähne zu schonen, und um mehrere Maultrommeln mit verschiedenen Grundtönen schnell wechseln zu können,
schlage ich vor, eine oder mehrere Bügelmaultrommeln wie in Abbildung 7 dargestellt an einem Stück Holz (links)
oder einem anderen Gewicht, z.B. einem Stück Metallrohr (rechts), zu befestigen. Die Bügelmaultrommeln
können dann wie Rahmenmaultrommeln an den Lippen, ohne Kontakt zu den Zähnen, gespielt werden.
Das Spiel ohne Zähne ist angenehm, vor allem bei längerem Spielen und Üben. Außerdem können
mehrere Maultrommeln an den Lippen schnell gewechselt werden.
Ich habe es mit drei Maultrommeln versucht:
Bougie (258 kb) [Bougie in Notenschrift, 29KB]
Gut funktionieren Gewichte von 200 bis 300 g, die 20 bis 30 cm lang sind. Die Länge ist wichtig, weil die Maultrommelzunge
eine Drehbewegung macht (Abbildung 7 rechts, blauer Pfeil). Das Gewicht muss dieser Drehung einen Hebel entgegensetzen (roter Pfeil).
Beim rechts abgebildeten Metallrohr wird die Maultrommel durch ein doppeltes Seil auf einem Holzstück festgehalten.
Das Seil läuft durch das Rohr und ist am anderen Ende an einen Holzstift gebunden. Der Stift wird gedreht, dadurch
verdreht sich das Seil und spannt die Maultrommel fest.
Abbildung 7
Klangeffekte
Weitere Spieltechniken, die den Klang beeinflussen, lassen sich nicht eindeutig dem Melodiespiel oder der Artikulation zuordnen.
Die Zahl möglicher Klangeffekte ist groß, freies Ausprobieren lohnt sich und fördert immer neue Effekte zu Tage. Besonders die
Zunge ist ein vielseitiges Organ. Hier ein paar Anregungen.
Der Stimmapparat erzeugt einen wichtigen Effekt, der auch zur Artikulation verwendet werden kann: Bei geschlossener Stimmritze
verändert sich der Resonanzraum so, dass zusätzlich zu den "normalen" Tönen wesentlich tiefere Töne der Maultrommel verstärkt
werden als bei offener Stimmritze (Abbildung 5). Man kann dann zweistimmig spielen. Die Stimmritze ist das Ventil, das beim
Sprechen den Luftstrom durch die Stimme unterbricht. Dann öffnet sie sich und es erklingt ein Vokal. "#Also das verstehe #ich nicht".
Bei den # geht die Stimmritze kurz zu und wieder auf, so dass die Vokale von "also" und "ich" entstehen. Beim Husten ist es
die Stimmritze, die die von den Bauchmuskeln gepresste Luft plötzlich freigibt. In
Klangbeispiel 5 (162 kb) hört man erst
eine Melodiestimme, und dann wird die Stimmritze geschlossen: Es kommt eine tiefere zweite Stimme dazu. Zusätzlich hört
man immer den Grundton.
Die Nasen- und Mundhöhle sind wichtige Teile des Resonanzraumes. Wenn dieser Raum verändert wird, ändert sich der Maultrommelklang.
Die Nasenhöhle kann mit dem Gaumensegel zur Luftröhre hin verschlossen werden (Abbildung 5). Das ist die Bewegung, die man
macht, wenn man spricht und dabei verschnupft klingen will - also die Nase verschließt. Die Mundhöhle wird zur Luftröhre
hin verschlossen wenn man den Laut ng spricht: Maultrommel spielen und dabei (stimmlos) ungungungung sagen erzeugt einen
interessanten Effekt, der im ersten Teil von Klangbeispiel 6 (85 kb) zu hören ist.
Der zweite Teil führt einen Zungeneffekt vor, der entsteht, wenn die mittlere Zunge an die Backenzähne im Oberkiefer gelegt
wird und dann die Zungenspitze sich abwechselnd an den Gaumen legt und wieder löst, wie wenn man "nanana" sagt.
Hier noch zwei Effekte außerhalb des Mundes, nämlich erstens der Finger-Kapodaster: Daumen und Ring- oder Zeigefinger
der Hand, die die Maultrommel hält, können die Metallzunge von beiden Seiten einklemmen. Dadurch wird der Grundton
abgedämpft, aber auch höher, wie in Klangbeispiel 7 (90 kb).
Wer seine Zähne schonen will kann zweitens die Maultrommel an die zum Kussmund geschürzten Lippen halten. Der Klang wird
leiser und die Metallszunge schwingt kürzer. Bei geschlossenem Mund schlägt die gezupfte Metallzunge auf die Lippen.
Durch öffnen der Lippen gleich nach dem Aufschlagen entstehen die Geräusche von
Klangbeispiel 8 (87 kb).
D. Tonerzeugung, Töne und Tonumfang
Tonerzeugung
Die Maultrommel ist schwer in das System der Musikinstrumente einzuordnen. Sie wird einerseits zu den Idiophonen, den
Selbstklingern gestellt, deren Töne durch Eigenschwingung hervorgebracht werden, und zwar zusammen mit den Spieldosen
zu den Zupfidiophonen: Die Töne werden durch eine selbstschwingende Zunge erzeugt, die angerissen oder gezupft wird.
Andererseits gehören die Maultrommeln zu den Aerophonen, deren Töne durch schwingende Luftsäulen (z.B. Flöten) oder
schwingenden Luftstrom (Harmonikainstrumente, z.B. Mundharmonika, Akkordeon) erzeugt werden. Die Verwandtschaft zu
den Harmonikainstrumenten zeigt sich, wenn die Zunge von selbst auch ohne Zupfen zu klingen beginnt, wenn durch die
an die Lippen bzw. Zähne gehaltene Maultrommel Luft eingesogen oder ausgestoßen wird. Clemens Voigt von Dan Moi
verriet mir wie der Effekt funktioniert: Die Zunge darf nicht ganz mit dem Rahmen in
einer Ebene sein, und der Luftstrom muss sie zurück zum Rahmen ziehen (Abbildung 8, Maultrommel im Querschnitt).
Abbildung 8
Bei Bügelmaultrommeln kann man beim Halten der Maultrommel wie auf Abbildung 4 die Basis der Zunge mit dem Daumen
leicht drücken und dann Luft anziehen. Jetzt funktioniert die Maultrommel wie eine Mundharmonika: Auch bei den
Harmonikainstrumenten wird eine Metallzunge durch einen Luftstrom zum Schwingen angeregt. In
Klangbeispiel 9 (98 kb)
hört man zuerst den Ton G auf einem Akkordeon, dann durch eingesogene Luft auf der Maultrommel angeregt, und dann
auf der Maultrommel normal gezupft.
Da bei der Maultrommel die Tonhöhen als Resonanzen der Hohlräume im Kopf und in der Brust erzeugt werden, besteht
auch eine nahe Verwandtschaft zum Obertonsingen, das heißt zur Bildung der Klangfarben der menschlichen Stimme.
In Klangbeispiel 10 (110 kb) singe ich den Ton G und verändere
die Klangfarbe, indem ich genau wie beim
Maultrommelspielen die Mundhöhle verändere. Dann spiele ich die gleiche Tonfolge auf der Maultrommel.
Theorie zu den Naturtoninstrumenten
In unserem üblicherweise verwendeten Tonsystem ist die Oktave in 12 gleiche Halbtöne geteilt
(temperierte oder enharmonische Stimmung). Das bedeutet, dass die Anzahl Schwingungen pro Sekunde
irgendeines Tones mit dem immer gleichen Faktor 1,059463 multipliziert die Schwingungen des
nächsthöheren Halbtones ergibt. Dieser Faktor ist genau so groß, dass eine 12 mal damit wieder
und wieder multiplizierte Schwingungszahl genau verdoppelt wird, also wieder den gleichen Ton
eine Oktave höher ergibt (zwölfte Wurzel aus zwei). Da benachbarte Halbtöne immer um den gleichen
Faktor unterschiedlich schwingen, ist die absolute Differenz der Schwingungen bei tiefen Tönen geringer als bei hohen.
Die Tonreihen der Maultrommeln (und aller anderen Naturton-Instrumente) sind anders aufgebaut:
Die Metallzunge der in den meisten Klangbeispielen verwendeten Maultrommel schwingt beispielsweise im
Ton G, 98 mal je Sekunde (Frequenz = 98 Hz). Das ist der Grundton, auch erster Teilton genannt. Dieser
Grundton kann alle Schwingungen anregen, deren Schwingungszahl ein ganzes Vielfaches dieses Wertes sind.
Das kann man sich folgendermaßen vorstellen: Die Metallzunge schwingt vor dem Mund. Die Mundhöhle dient
als Resonanzraum. Je nach dem, wie dieser Raum geformt ist, kann die Luft in bestimmten Frequenzen schwingen.
Ist diese Frequenz ein Vielfaches von der des Grundtones, z.B. 4 x 98 Hz = 392 Hz, dann wird die Luft zum
schwingen angeregt. Ist das Verhältnis der Schwingungen z.B. 3,5 statt 4, so befinden sich Metallzunge und
Mundhöhle nicht im Gleichklang - die Schwingung wird abgeschwächt, man hört keinen Ton, der durch den Grundton
der Metallzunge angeregt würde. Dieser Gleichklang zwischen zwei Schwingungen, die sich verstärken, wird
in der Physik Resonanz genannt.
Maultrommeln können also alle vielfachen Schwingungszahlen des Grundtons anregen, unsere Beispiel-Maultrommel
sozusagen das Ein Mal 98. Diese Schwingungen sind die Obertöne oder Teiltöne zum Grundton G. Grundton und
Obertöne bilden die Naturtonreihe. Der nächste Oberton (= zweiter Teilton) schwingt doppelt so schnell wie der
Grundton, ist also eine Oktave höher (Ton g). Die Töne innerhalb dieser Oktave können nicht angeregt werden.
Die nächste Oktave (Ton g1) schwingt wieder doppelt so schnell, also viermal wie der Grundton (vierter Teilton).
Hier haben wir einen Zwischenton: 3 x 98 Hz = 294 Hz, das entspricht ungefähr dem Ton d1, der in der
enharmonischen Stimmung 293,7 Hz hat (dritter Teilton). In die nächste Oktave bis g2 fallen schon drei Zwischentöne.
So werden die Tonabstände der Naturtonreihe, im Beispiel also des Ein Mal 98, nach oben hin immer enger.
In Klangbeispiel 11 (86 kb) wird der Mund während dem
Zupfen allmählich verändert, so dass als Resonanzen
des Grundtons nacheinander die 6 Natur- oder Teiltöne von d1 bis g2 hörbar werden.
Die spielbaren Zwischentöne entsprechen wie beim Ton d1 nicht genau den Tönen der Tonleiter. Der 11. Teilton,
11 x 98 Hz = 1078 Hz, liegt kaum näher an cis3 (1109 Hz) als an c3 (1047 Hz). Diese Abweichungen der Obertöne
von den Tonleitertönen werden in hundertstel Halbtönen, den so genannten Cent, gemessen. Grundtöne aus dem
enharmonischen Tonleitersystem passen sich mit ihren Obertönen immer gleich in dieses System ein: Der 11. Teilton
weicht bei jedem Grundton um 49 Cent vom Tonleiterton ab. Eine Übersicht über die Naturtonreihen gibt die
Naturtontabelle (315 kb).
Tonumfang der Maultrommel
Die Mundhöhle des Spielers als Resonanzraum kann einen bestimmte Umfang an Tonfrequenzen verstärken.
Dieser Umfang ist unabhängig vom Grundton der Maultrommel. Welche Obertöne innerhalb dieses Tonumfanges
durch die Maultrommel angeregt werden, das jedoch hängt vom Grundton ab. Regina Plate gibt einen Bereich
von 500 bis 2000 Hz an, den der Mund verstärken kann, also zwei Oktaven. Nach meiner Erfahrung reicht
der Tonumfang etwas weiter, bis etwa 2300 Hz. Nach unten zu wird bei geschlossener Stimmritze wie oben
beschrieben ein tieferer Resonanzbereich wirksam, der ab ca. 250 Hz beginnt. Die in
Klangbeispiel 11 (86 kb) hörbaren Resonanzen sind auf
diese Weise gespielt und liegen zwischen 294 und 784 Hz. Der
Tonumfang des Mundes als Resonanzraum ist sicher bei jedem Spieler verschieden. Wer seinen Resonanzbereich
und den Grundton seiner Maultrommel kennt, kann in der Naturtontabelle (315 kb)
die spielbaren Töne nachschauen. Maultrommeln mit tieferem Grundton können mehr Zwischentöne spielen
als solche mit höherem. Die Maultrommel aus Klangbeispiel 7 (90 kb)
hat den Grundton A1 und verstärkt
also (ohne Finger-Kapodaster) das Ein Mal 55, während die Maultrommel der anderen Beispiele das Ein
Mal 98 verstärkt. Alle 55 Hz ein Oberton ergibt natürlich mehr Schritte zwischen 250 und 2000 Hz als
einer alle 98 Hz.
4. Tipps zur Pflege von Maultrommeln
Hier nun einige Tipps, wie Ihr lange an eueren Maultrommeln Freude haben könnt:
Ganz wichtig ist natürlich, nach jedem Spiel die Maultrommel mit einem Tuch oder Zellstoff sauber und trocken zu reiben.
Dies verhindert nicht nur das Rosten eures Instrumentes, sondern auch das Antrocknen von Speichelresten zwischen Rahmen und Zunge. Beides beeinflusst den Klang negativ.
Für besonders rostanfällige Maultrommeln (aus blankem Stahl) ist es darüber hinaus ratsam, Vaseline oder Balistolöl nach dem Spiel aufzutragen, um Rost vorzubeugen.
Vaseline ist ein gängiges Lippenpflegemittel auf Erdölbasis.
Balistolöl ist ein rein pflanzliches Leichtmechaniköl, das für seine Heilwirkungen bekannt ist und sogar von einigen Heilpraktikern zur Einnahme verschrieben wird.
Die Eigenschaften von Balistolöl (wird auch als Waffenöl verwendet) machen es zu unserem bevorzugtem Pflegemittel für Maultrommeln.
5. Zahnschutz
Alle Bügelmaultrommeln müssen gegen die Zähne gepresst werden, um den Rahmen durch das Gewicht des
Kiefers zu stabilisieren und so eine ruhige Schwingung der Zunge zu ermöglichen.
Die Angst, dies könnte den Zähnen schaden, möchten wir euch gerne nehmen. Unzählige Maultrommelspieler
bevorzugen Bügelmaultrommeln ihres vollen Klanges wegen - und soweit wir wissen,
hat sich dabei noch keiner die Schneidezähne zerbrochen.
Längeres Spielen von Maultrommeln mit SEHR HARTEN Zungen kann jedoch anstrengend für die Zähne sein.
Auch das SCHNELLE WECHSELN mehrerer Maultrommeln zum Melodiespiel (traditionelle Technik in Österreich und Deutschland) kann ungeübten oder empfindlichen Musikern Zahnschmerzen bereiten.
Aber keine Angst, davor kann man sich einfach schützen:
Die beste Lösung ist ein Zahnschutz.
Dieser kann von jedem Zahnarzt angefertigt werden.
Es handelt sich um einen Zahnüberzug aus Hartplastik, üblicherweise gegen Zähneknirschen verwendet.
Solch eine "Knirschelschiene" wird nach einem Abdruck über die ganze Zahnreihe maßgearbeitet.
Ihr benötigt je eine für die oberen und die unteren Schneide- und Eckzähne, die Backenzähne können abgeschnitten werden, um den Zahnschutz einfacher einsetzbar und bequemer zu machen.
Solch ein Zahnschutz ist unauffällig, sehr einfach zu handhaben, äußerst effektiv und beeinflusst nicht den Klang und die Spielmöglichkeiten der Maultrommel!
Eine andere Methode ist das Stabilisieren des Maultrommelrahmens (siehe
Spielanleitung) durch ein entsprechendes Gewicht.
Dann kann jede Maultrommel an den Lippen gespielt werden.
Diese Methode verringert allerdings die Klang- und Effektmöglichkeiten.
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